Washington D.C.
Die Wahlbeobachter um Alexander Graf Lambsdorff hätten zunächst erfreuliches feststellen können. Die Wahlen seien technisch professionell vorbereitet worden. Von Beginn an zeichnete sich durch die langen Schlangen vor den Wahllokalen auch eine hohe Wahlbeteiligung ab. Die Auszählung nach dem Urnengang sei außerordentlich transparent verlaufen, was Wahlbetrug zu diesem Zeitpunkt quasi ausgeschlossen habe. Dies habe sich jedoch schlagartig geändert, als die Ergebnisse der einzelnen Wahllokale nach Nairobi übermittelt und dort zentral zu Wahlkreisergebnissen zusammengesetzt wurden. Den Wahlbeobachtern sei hier der Einblick verwehrt worden. Ganz offensichtlich kam es auf dieser Wahlkreisebene zu Unregelmäßigkeiten. Die zur Ermittlung der Wahlkreisergebnisse herangezogenen Stimmen entsprachen oftmals nicht der Zahl, welche von den Beobachtern vor Ort in den Wahllokalen registriert wurden. Des Weiteren sei es zu absurden Zahlen bei der Wahlbeteiligung von annähernd 100 Prozent gekommen. Diese Unregelmäßigkeiten seien auch zu einem gewissen Teil für das unerwartet hohe Maß an Gewalt verantwortlich, welches nach der offiziellen Bekanntgabe des Ergebnisses zu Tage trat.
Dass sich die Lage in Kenia wieder normalisiert, sei insbesondere auch der geschlossenen Haltung der internationalen Gemeinschaft zu verdanken. Diese habe durch ihre klaren und abgestimmten Äußerungen gegenüber den Führern in Nairobi den entscheidenden Beitrag zur Annäherung der Konfliktparteien und der Machtteilung in Kenia geleistet. Für das Land seien der nun eingeschlagene Weg und eine „afrikanische“ Lösung bei gleichzeitiger, relativer Zurückhaltung externer Akteure Erfolg versprechend. Andere Alternativen wie etwa die Wiederholung der Wahlen seien angesichts der Spannungen im Land keine Optionen gewesen. Für die Zukunft Kenias sei es nun wichtig, dass das geschlossene Abkommen in eine förmliche Gesetzesform gegossen wird und vor allem der Geist des Abkommens im Handeln der Regierenden bestehen bleibe. Dabei stehe die internationale Gemeinschaft auch zukünftig mit Hilfe zur Verfügung. Schließlich sei Stabilität in Kenia in ihrem originären Interesse.
Für weitere EU-Wahlbeobachtermissionen ließen sich aus dem Einsatz in Kenia zahlreiche Lehren ziehen. Zunächst habe die Mission gezeigt, dass „Demokratieförderung“ sinnvoll ist und vor allem die Europäische Union mit ihrer bedeutenden „soft power“ hier eine sehr wichtige Rolle spielen kann. Für zukünftige Missionen müsse darüber nachgedacht werden, noch früher mit der Beobachtung zu beginnen. Die Nominierung der Kandidaten sei auch bei den Wahlen in Kenia der schwächste Teil des gesamten Wahlprozesses gewesen. So hätten etwa Frauen nur 7 Prozent des Kandidatenfelds ausgemacht. Freilich sei eine Verlängerung der Wahlbeobachtungsmission auch eine Frage des Geldes, weshalb Graf Lambsdorff die Verwirklichung dieses Vorhabens als eher unwahrscheinlich einschätzte.
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