Washington D.C.
Hugo Chavez sei 1998 mit dem Versprechen ins Amt gewählt worden, Arbeitsplätze zu schaffen und die Korruption zu bekämpfen. Statt seine Wahlversprechen einzulösen, habe er Venezuela zu einer „tropischen Monarchie“ umgewandelt. Die Einnahmen aus der Erdölförderung seit Chavez Amtsantritt betrugen rund 600 Mrd. US-Dollar und lagen damit über den Ausgaben des Marschall-Plans, mit dessen Hilfe Europa nach dem zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurde. Innerhalb der Amtszeit von Chavez hätten sich die Schulden von 22 Mrd. auf 80 Mrd. US-Dollar fast vervierfacht. Die Armut und Inflation seien stark angestiegen und die Arbeitslosigkeit liege bei 15%. Die Kriminalitätsrate sei die höchste in Lateinamerika.
Im gleichen Zeitraum habe Chavez 30 Mrd. US-Dollar ins Ausland verteilt, um dort Waffen und Loyalität zu kaufen.
Das ideologische Profil von Chavez sei ein Minderwertigkeitskomplex gepaart mit Egozentrismus und einem tiefen Hass auf die Vereinigten Staaten. Er träume davon, ein neuer Fidel Castro und Simon de Bolivar zu werden.
Seine Popularität liege derzeit bei nur noch 30%. Er gewann die Präsidentschaftswahl 1998 auf der Basis von drei Versprechen: Politisch-institutionelle Reformen, Eliminierung der Korruption und Kampf gegen die Armut. ‚Verwirklicht ’hat er bisher nur die „politische Revolution“, die jedoch konkret die Zerschlagung der bestehenden Institutionen oder ihre Besetzung mit willfährigen Gefolgsleuten bedeutete. Die Korruption im Innern hat ein noch nie da gewesenes Ausmaß erreicht. Gleichzeitig hat Chavez Geschenke in Höhe von rund 30 Milliarden Dollar an ausländische Regierungen verteilt um sich damit Einfluss zu kaufen. Das reichlich sprudelnde Öl-Geld gibt ihm die finanziellen Mittel dazu. Insgesamt habe Präsident Chavez versucht, das Land in eine – wie es Coronel nannte – „tropische Monarchie“ zu verwandeln.
Kennzeichnend für seine Herrschaft sei eine konfuse Mischung aus verschiedener Ideologien, persönlichem Sendungsbewußstein und Egozentrik. Die Zustimmung des Präsidenten in der Bevölkerung ist inzwischen auf unter 30 Prozent gesunken; dabei genießt
er bei den Armen jedoch nach wie vor Rückhalt. Für die Zukunft Venezuelas skizzierte Coronel drei Szenarien: Dass es Chavez gelingen könnte, sich dauerhaft zu einem „neuen Fidel“ aufzuschwingen“ hält Coronel für eher unwahrscheinlich. Die Regionalwahlen im Oktober könnten einen langsamen Niedergang des Regimes einleiten und Chavez durch ein Referendum im Jahr 2010 abgelöst werden. Nach Einschätzung von Coronel setzen die etablierten Oppositionsführer jedoch auf eine Strategie des Abwartens bis zur Präsidentenwahl 2012, bei der Chavez gemäß Verfassung nicht wieder gewählt werden darf – auch wenn dieses Abwarten das Land teuer zu stehen käme.
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