International Political Dialogue - The U.S. Presidential Election: The German Media's Perspectives on the Candidates [printable version]
The U.S. Presidential Election: The German Media's Perspectives on the Candidates
Washington D.C.
Bei dieser Veranstaltung der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit und des American Institutes for Contemporary German Studies in Washington, D.C. stand im Mittelpunkt der Vorwahlkampf der USA, bzw. die Sicht der deutschen Medien auf die drei Kandidaten. Als Referenten waren Journalisten eingeladen, die als Korrespondenten in Washington D.C. arbeiten.
Den Beginn machte Rüdiger Lentz, der für die „Deutsche Welle“ seit zwanzig Jahren aus Amerika berichtet. Er verwies zu Beginn auf die letzten beiden Präsidentschaftswahlen in 2000 und 2004. Beide Male bevorzugten die deutschen Medien den demokratischen Bewerber und lagen am Ende falsch. Dies könne auch in 2008 so kommen.
Er ging deshalb vor allem auf Senator John McCain ein und versuchte seine politischen Ziele und persönlichen Facetten aus deutscher Sicht zu bewerten. Sein Urteil: Kaum Schnittstellen mit europäischen Wertevorstellungen. Differenzen würden sich vor allem auf dem Gebiet der Außen- und Sicherheitspolitik ergeben. McCain sei ein glühender Verfechter der NATO. Die Erwartungen einer McCain-Administration an die europäischen NATO-Partner wären enorm. Senator John McCain wäre sicherlich nicht der Wunschkandidat der Deutschen, resümierte Lentz.
Es oblag Christoph von Marshall, dem politischen Korrespondenten des Tagesspiegel, den Kandidaten Barack Obama vorzustellen. Von Marshall veröffentlichte unlängst ein Buch („Der neue Kennedy“) zu dem aufstrebenden Star der Demokraten. In seinem Beitrag ging er vor allem auf die Sympathiewellen ein, die Obama aus der EU, speziell aus Deutschland entgegenschlagen. Dies war in dem Maße nicht zu erwarten. In der amerikanischen Debatte um den demokratischen Präsidentschaftskandidaten verwies er auf die Bedeutung von Perzeptionen. So würde medial transportiert, dass Hillary Clinton vor allem die Arbeiterklasse erreiche und Barack Obama als Harvard-Liberaler eher die Bildungselite. Mit Blick auf die Charaktere der Kandidaten müsste es in Wahrheit andersherum sein.
Zuletzt ging Gabor Steingart, USA-Korrespondent und vormaliger Leiter des Berliner Hauptstadtbüros des Spiegels, auf Hillary Clinton ein. Sie werde von der politischen Klasse Deutschlands klar favorisiert. Aus seinen persönlichen Gesprächen mit hochrangigen Regierungsvertretern gehe hervor, dass vor allem Angela Merkel eine Zusammenarbeit mit der „erfahrenen“ Kandidatin Hillary Clinton begrüßen würde.
Er charakterisierte Clinton als eine sachlich orientiere Politikerin, die in der Auseinandersetzung mit Obama zu lange in der Deckung geblieben sei. Vermutlich habe sie ihren direkten Konkurrenten unterschätzt. Ihr heutiges Auftreten habe sich stark gewandelt. Sie trete offensiver auf und nutze die Angriffsflächen ihres Gegners eiskalt für ihre eigenen Vorteile aus. Sie habe sich auf die Forderungen ihrer Wählerklientel eingestellt und kämpfe nun um ihr politisches Überleben.
Die Fragen des Publikums drehten sich vor allem um die beiden demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Interesse bestand auch in der Frage, für welche Inhalte die Kandidaten stehen und ob diese der deutschen Öffentlichkeit bekannt seien. Rüdiger Lentz machte darauf aufmerksam, dass z.B. alle drei Kandidaten, inklusive des Republikaners McCain den Kimawandel als ein ernstzunehmendes Problem einstufen. Dies sei aus Sicht der Deutschen eine gute Nachricht. Im Bereich der Wirtschaft sei vor allem bei den demokratischen Bewerbern ein Hang zum Protektionismus auszumachen. Clinton und Obama würden beide als Präsidenten Freihandelsabkommen der USA überprüfen und überarbeiten lassen. Ein Zuschauer machte darauf aufmerksam, dass McCain der einzige Kandidat sei, der auch in Zeiten sinkender amerikanischer Wachstumsraten an einem freien Welthandel festhalten würde.
Am Ende betonten alle drei Auslandskorrespondenten jedoch noch einmal, wie sehr die deutsche Öffentlichkeit von einem demokratischen Präsidenten nach der nächsten Präsidentschaftswahl in den USA ausgehe. Die hohe Dichte an amerikanischer Wahlkampfberichterstattung in Deutschland sei so noch nie zu beobachten gewesen. Der Ursprung für das Interesse der Deutschen an den Vorwahlen der USA liege aber klar in der besonderen Rolle Barack Obamas. Als Fazit kristallisierte sich am Ende der Veranstaltung heraus, dass beide demokratischen Kandidaten aufgrund ihrer derzeitigen hohen Popularität, als Präsidenten auf unerfüllbar hohe Erwartungen in Europa treffen würden.
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