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Zukunftsgerichtete Politik für den indonesischen Mittelstand – eine Parlamentsdelegation auf Studienreise durch die Bundesrepublik

In Indonesien ist die Großindustrie traditionell eng mit der Politik verzahnt. Wirtschaftlicher Erfolg geht mit politischer Unterstützung bei der Lizenz- und Auftragsvergabe einher. Unterhalb der großen Unternehmen findet sich nicht eine mittelständische Industrie, wie dies in Deutschland der Fall ist. Hier herrscht die informelle Wirtschaft. Tausende von kleinen und winzigen Betrieben erwirtschaften zwei Drittel des indonesischen Bruttosozialprodukts: Straßenhändler, Garküchen, Schneidereien usw. Ihren wirtschaftlichen Erfolg verdanken die Eigentümer ihrem Fleiß und ihrer Begabung.

Im Gespräch mit
Dr. Hermann Otto Solms
Verschiedene Faktoren erschweren die Herausbildung eines Mittelstandes in Indonesien. So fehlt eine Tradition des wettbewerbsorientierten Unternehmers, der sich mittels Ausbildung, Kreativität und Bereitschaft zum persönlichen Risiko gegen die Konkurrenz durchsetzt. Ferner verhindert staatliche Korruption den Übergang von der informellen zur formellen Wirtschaft und bremst das Wachstum einzelner Betriebe, wie der Wirtschaft insgesamt.

Wie kann es gelingen, aus den Tausenden von Mikrobetrieben, die nicht angemeldet sind und keine Steuern zahlen, eine Schicht erfolgreicher mittlerer Unternehmen herauszubilden? Diese Frage führte eine Delegation von Parlamentsabgeordneten aus Indonesien auf Studienreise durch die Bundesrepublik. Die Abgeordneten repräsentieren die im Parlament vertretenen Fraktionen von Regierung und Opposition, vier von ihnen gehören dem Haushalts- bzw. dem Wirtschaftsausschuss an. Ihre Reise dient einem aktuellen Ziel: Im Juni 2008 noch soll eine Gesetzesvorlage zur Förderung des Mittelstands in das Parlament eingebracht und verabschiedet werden.

Klaus Bünger, ehemaliger Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Lehrbeauftragter der Universität Bonn, erläutert die Rahmenbedingungen: Die beste Mittelstandspolitik liege in der Stärkung der Marktwirtschaft. Dies bedeute vor allem die Garantie ihrer konstituierenden Prinzipien: Rule of Law, Privateigentum, offene Märkte nach innen und nach außen, Wahrung des Wettbewerbs durch ein unabhängiges Kartellamt, Haftung, Geldwertstabilität, solide Staatsfinanzen und eine konsistente Wirtschaftspolitik. Eine Politik der Intervention dagegen schade eher der mittelständischen Wirtschaft. Subventionen und Protektion kämen vor allem den Großunternehmen zugute.

Von zentraler Bedeutung für erfolgreiches Unternehmertum sei Wissen. Wissen in Form der fachlichen Ausbildung und des Erwerbs von Managementfähigkeiten. Dem Aufbau eines Systems der Berufsausbildung, das theoretische und praktische Ausbildung umfasst, komme damit hohe Priorität zu. Bei einem Besuch des Berufskollegs Siegburg konnten sich die Teilnehmer darüber informieren, wie die Ausbildungsgänge zum ‚Industriekaufmann’ und ‚Groß- und Einzelhandel’ aufgebaut sind und welche Qualifikationen sie vermitteln.

Die Delegation mit
Stefan Sauerborn
Die Förderung von Existenzgründungen ist ein Schlüssel zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Stefan Sauerborn, Leiter des Servicecenters Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn, führt aus: Der Existenzgründer benötige einen Ansprechpartner, an den er sich für alle Fragen und Auflagen wenden könne. Wirtschaftsförderung müsse sich als der „Lotse“ für den Unternehmer durch die Verwaltung begreifen. So könne die Prozedur bis zur Gründung des Unternehmens verkürzt, Genehmigungsverfahren beschleunigt, Hindernisse im vorhinein aus dem Weg geräumt werden. In Bonn sei es gelungen, die Selbständigenquote, die mit 3% unter dem Bundesdurchschnitt lag, erheblich zu steigern.

Auch nach der Gründung bleibe die Wirtschaftsförderung ein wichtiger Partner des Unternehmers. Viele ‚Start-ups’ benötigen Jahre, um in eine Phase des stabilen Wachstums hineinzukommen. Die Insolvenzquote ist hoch. Mehr als 50% der neu gegründeten Unternehmen geben bereits im ersten Jahr auf. Vielfach sei dies auf mangelnde betriebwirtschaftliche Kenntnisse zurückzuführen.

Wer erfolgreicher sei bei der Unternehmensgründung, Männer oder Frauen? Sauerborn weist darauf hin, dass keine Statistiken vorliegen, die nach dem Geschlecht des Unternehmensgründers aufschlüsseln, dass nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre jedoch die Frauen die erfolgreicheren seien. Sie investierten mehr Planung und Überlegung in die Aufbauphase und könnten so ihre Idee Schritt für Schritt umsetzen. Zudem seien sie bereit, die Beratung anzunehmen, die ihnen von Kommune, IHK und Unternehmer-Netzwerken angeboten wird. Entscheidendes Hindernis für die männlichen Unternehmensgründer sei „das Testosteron“. Ihr Vorgehen sei zuweilen von Aktionismus, Ungeduld und der Suche nach dem schnellen Erfolg geprägt. Kommen Fehler in der Planung und betriebswirtschaftlichen Kalkulation hinzu, würde das Unternehmen die schwierige Anfangsphase nicht überstehen.

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